Ich bin überzeugt: Der stationäre Handel ist kein Auslaufmodell. Er ist ein Ort, an dem Menschen sich begegnen. Meine Aufgabe sehe ich nicht darin, ihn zu retten — sondern mitzuhelfen, dass er für seine Menschen wieder wertvoll wird. Daran glaube ich. Dafür stehe ich morgens auf.
Veränderung im Handel heißt führen — nicht treiben.
Preis und Sortiment müssen stimmen, keine Frage. Aber das ist nur die Pflicht. Ob ein Mensch wirklich gerne wiederkommt, entscheidet sich woanders: in der Begegnung. Zwischen Berater und Kunde, von Mensch zu Mensch. Und genau diesen Moment kann kein Algorithmus nachbauen.
Darin liegt für mich der eigentliche Wert des Handels — er erfüllt eine soziale Aufgabe. Er ist Treffpunkt, Beratung, Atmosphäre, ein Stück Nachbarschaft. Die Frage, die mich umtreibt, ist deshalb nicht „Überlebt er?", sondern: Wie werden wir dieser Aufgabe wieder gerecht — und zeigen den Menschen, was ihnen ein Besuch wirklich gibt?
Natürlich verändert sich der Markt von außen, das ist real. Nur: Die richtige Antwort ist weder, alles Hals über Kopf umzuwerfen, noch, die Augen zu verschließen. Sie liegt dazwischen — die richtigen Schritte gehen, in einem Tempo, das die Organisation auch verträgt.
Mal muss man vorangehen und das Team ein Stück schneller mitnehmen. Aber niemals panisch durchhetzen oder wichtige Schritte überspringen. Sonst verliert man unterwegs genau das, worauf es ankommt: Menschen, Substanz, Vertrauen. Das meine ich mit führen statt treiben.
Es gibt keine gute Customer Journey ohne eine gute Employee Journey.
Fast alle fangen bei der Kundenseite an — die Wege werden glatter, die Prozesse schneller. Das ist gut und richtig. Aber es ist nur die halbe Geschichte. Denn jede Aufgabe, die wir dem Kunden abnehmen, landet am Ende bei einem Menschen auf der Fläche.
Deshalb gehören für mich beide Seiten zusammen gedacht — im Gleichschritt. Erst wenn wir auch die Employee Journey ernst nehmen und mitgestalten, bleibt den Kolleginnen und Kollegen überhaupt die Zeit, das Neue in derselben Geschwindigkeit zu stemmen.
Und nur dann bleibt am Ende das Wichtigste: Zeit für den Menschen. Zeit, sich auf den Kunden einzulassen. Zeit, ein guter Gastgeber zu sein. Das ist der Moment, der den Unterschied macht — und den keine noch so gute Software ersetzen kann.
Hier teile ich meine Gedanken zum deutschen Einzelhandel. Diese Sammlung wächst mit der Zeit.
Jeder, der im Handel arbeitet, kennt diese Geschichte — und findet sich irgendwo darin wieder. Sechs Kapitel: vom Ort der Begegnung über die Störung und die Sackgasse bis zu der Erkenntnis, die alles verändert. Sie ist noch nicht zu Ende erzählt. Aber sie hat eine Richtung.
Ich bin Klaus Peter Münstermann — und ich verstehe mich zuallererst als Händler, nicht als Technologe. Technik um der Technik willen war noch nie mein Ding. Spannend wird sie für mich erst, wenn sie etwas bewirkt: in den Prozessen, im Team und am Ende beim Kunden.
Ich erinnere mich an meinen ersten Tag als Trainee am Münchner Marienplatz. Ich kam mit der U-Bahn an, ging die Treppen hoch — und stand mitten im Weihnachtsgeschäft: ein voller Eingang, Menschen, die sich vor den Rolltreppen stauten, alles in Bewegung. Mein erster Gedanke war: Wer hier arbeitet, muss es lieben. Kurz darauf arbeitete ich selbst dort. Und ich habe es geliebt. Seitdem weiß ich, dass ich Händler im Herzen bin — nicht, weil es im Lebenslauf steht, sondern weil ich es fühle.
Ein strategischer Generalist, der nie den Kontakt zur Fläche verloren hat.
Heute verantworte ich als Head of Retail Digital Solutions bei T-Systems das Digitalgeschäft für den Handels- und Logistikbereich. Davor habe ich als Geschäftsführer mehrerer Galeria Kaufhof Filialen — unter anderem am Münchner Marienplatz — den Handel von innen erlebt: mit großen Teams, viel Umsatzdruck und jeden Tag mittendrin auf der Fläche.
Was ich dort gelernt habe, steht in keinem Lehrbuch: Wenn ein Team dasselbe Ziel verfolgt und eine gemeinsame Identität hat — und wenn man die Menschen wirklich sieht, nicht als Ressource, sondern als Menschen — dann entsteht eine Energie, die alle auf ein neues Level hebt.
Klaus Peter Münstermann · Köln
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